Die Rauminstallation der hannoverschen Künstlerin Inge-Rose Lippok wurde 2025 an zwei Orten gezeigt: auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover als Teil des [shelter]-Kunstparcours, sowie im Antikriegshaus Sievershausen, anlässlich des 80. Jahrestags des Kriegsendes und der Befreiung vom Nationalsozialismus. Ausgangspunkt der Arbeit ist das Tagebuch ihres Vaters, Gerhard Lippok, damals 21-jähriger Soldat im Zweiten Weltkrieg.
Die in Sütterlin verfassten Notizen konnte die Künstlerin viele Jahre nicht lesen – erst eine Übersetzung ermöglichte die künstlerische Auseinandersetzung mit seiner Geschichte. Seine Aufzeichnungen aus den Jahren 1943–1945, geprägt von Angst, Sehnsucht und Erinnerungen, bilden das narrative Rückgrat der Installation. Der Weg führt durch „Schützengräben“ aus Farbe und Leinwand, durchzogen von Tagebuch- und Briefzitaten. Musik- und Klangcollagen der Komponistin Tatjana Prelevic verweben sich mit gesprochenen Texten.
Am Ende erscheint das monumentale Bild einer Hütte, nach einem Holzschnitt Gerhard Lippoks: Sinnbild für Schutz, Menschlichkeit und Freundschaft. Die Besucher:innen sind eingeladen, sich emotional, auditiv und visuell auf diesen Erfahrungsraum einzulassen. ENTHEIMATET spricht Menschen aller Generationen an und schafft in Bildungs- und Erinnerungsarbeit ästhetische Zugänge zu Fragen von Heimat, Verlust und Hoffnung.